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Die Grenze, die Verrueckte macht

Chiang Khong, Thailand


Endlich wieder ein Lebenszeichen von uns, nach so langer Zeit. Vor lauter Entspannen kamen wir irgendwie nicht zum Schreiben, wir waren einfach zu beschaeftigt. Aber nun sind wir vollgefuttert und haben wieder ein bisschen mehr Muse ueber.

Wir sind jetzt seit 2 Tagen in Laos. Nach ein bisschen hin und her haben wir uns dafuer entschieden, innerhalb von 2 Tagen von Thailand aus mit dem slowboat von Chiang Khong ueber Pak Beng nach Luang Prabang zu schippern. Das Hin war, dass die Strecke wunderschoen ist und Bootfahren doch mal eine nette Alternative zum ewigen Busfahren bietet. Aber das Her sagt, dass wir mit der Idee natuerlich nicht die ersten und auch wenig originell sind. Laos hat generell nicht so viele Touris, aber die meisten waehlen diese Route. Und paranoid, wie nur Omas Gene sein koennen, hab ich Angst, bei einer reinen Touriveranstaltung wie Frachtvieh behandelt und nach Strich und Faden abgezockt zu werden. Und das wuerd mir das Ganze eher vermiesen. Wir haben uns dann auf den Mittelweg geeinigt - wir machen es, aber ohne vorgebuchte Tour fuer viel Geld. Und Freunde, das war das beste, was wir haetten tun koennen!

Angefangen hat alles in Chiang Khong, der Grenzstadt in Thailand, die eher aus der linken und rechten Strassenseite besteht und somit eher als Grenzstrasse bezeichnet werden koennte. Unser Lonely Planet hat uns verraten, dass es ein bestimmtes Restaurant gibt, in dem man gute Mittagessen fuer den Bootstag am naechsten Tag kaufen kann. Also, gesagt, getan. Wir marschieren am naechsten morgen vor und erleben eine Ueberraschung. Eine Ueberraschung in Form von selbstgeroesteten Kaffeebohnen und selbstgebackenem Vollkornbrot. Wir wollen eigentlich nur welches mitnehmen und bestellen daher zunaechst einen Kaffee fuer Max, einen Zitronensaft fuer mich, einen Pancake fuer Max und ich krieg ein Porridge. Damit haben wir dem Besitzer scheinbar das Herz gebrochen, denn: " das kriegen wir ja ueberall, das ist viel zu einfach, wie wir denn keinen frischen selbstgebackenen Toast wollen koennen". Ein wenig schuldig werden also noch zwei Scheiben Toast mit Butter und Marmelade bestellt. Und wieder eine Ueberraschung: das bestellte Fruehstueck war super, aber der frische, warme Vollkorntoast..... wow! Max war inzwischen beim zweiten Kaffee und das passiert auch nicht oft. Beeindruckt wurde dann Mittagessen eingepackt: zwei Bagel mit Frischkaese, ein kleiner Laib Brot...und ein Brownie. Alles selbstgebacken, versteht sich. Das sollte reichen fuer zwei Tage.
Gut abgefuellt und noch besser eingedeckt ging es dann weiter zur Thai-Grenze, ausstempeln und mit dem Boot 20 Meter ueber den Mekong nach Laos. Und dort erlebten wir ein Abenteuer.

Dort angekommen, waren wir nicht die Einzigen. Heerschaaren von Touris mit Rucksaecken und Aufklebern auf dem T-Shirt, die sie als Teilnehmer irgendeiner vorgebuchten Tour auf dem slowboat auszeichnete, draengten sich die Stufen hoch in Richtung Laos-Immigration. Max stellte sich dann in der ersten Schlange an, waehrend ich anfing, zweimal zwei Papiere mit den ueblichen Daten und Blabla auszufuellen. Die Fuelle der zu stellenden Informationen ueberstieg leider die Wartezeit an der Schlange, sodass wir noch Leute vorlassen mussten, waehrend ich hektisch die letzten Zeilen zu Papier brachte. Passend dazu mussten zwei Passfotos abgegeben werden, aber das war leicht, weil die haben wir auf Ko Chang ganz am Anfang machen lassen und fuer jeden gleich 15 Abzuege mitgenommen. Da wir dort nur am Strand waren und eh grad Waschtag war, hab ich auf meinem Foto meinen Bikini mit umgebundenem Sarong um und seh aus wie ein Hippie. Aus unerklaerlichen Gruenden darf ich trotzdem ins Land.

Aber zurueck zur Schlange. Das war auch unser Motto, denn sobald wir die erste Huerde ueberwunden hatten, ging der Staffellauf gleich weiter. Ziel diesmal: das Fenster genau eins nebendran, um dort die Visakosten zu bezahlen. Lustigerweise ging das viel langsamer als die Papier-Schlange. Also ab in die andre Schlange. Fun fact: in Laos wollen sie ihr eigenes Geld nicht zum Visum-Bezahlen. Machbar ist das in Thailand-Baht oder eben in guten alten US-Dollar. Weiterer Fun fact: In Baht ist es ca. 10 Euro pro Nase teurer, also schoen in Dollarn zahlen. Und: so alt duerfen die US-Dollar auch nicht sein. Ratet mal, wie viel von dem Wissen wir direkt am Fenster mitbekommen haben. Waehrend sich um uns rum die Nationalitaeten haeuften und brandeten, kaempfe ich mich todesmutig zum Geldtauschen, um mitgebrachte Baht in Dollar zu wechseln. Max wartet daweil wieder in der Schlange. In diesen Zeiten der Not sollte auch Renates mitgegebener Notnagel in Form von 50 US-Dollar zum Einsatz kommen. Das Visum kostet fuer zwei Leute 60 US-Dollar, fehlen also noch 10. Wenn wir 1000 Baht umtauschen, bekommen wir knapp 30 Dollar, das sollte also locker reichen. Gesagt, getan. Endlich am Kopf der Schlange angekommen, reichen wir mit strahlendem Laecheln 60 Dollar rueber.... um informiert zu werden, dass der Kopf auf dem 50 Dollar-Schein ein anderer ist als der auf den aktuellen und dass sie ihn deswegen nicht nehmen koennen. Hinter uns rumort die Masse. Ich kaempfe mich zurueck zum Geldwechsler, damit ich den alten 50 gegen einen neuen tauschen kann. Wieder werden Leute vorgelassen. Ein furchtbar sozialer Tag heute. Meine Paranoia-Gene fluestern mir zu, dass ich mich beeilen muss, da es sonst vielleicht keinen Platz mehr auf dem slowboat gibt - alle um uns rum haben ja schon ihren gebuchten Platz. Das hilft nicht wirklich. Am Geldwechsler stehen noch zwei andere, ich frage, ob ich nur schnell den Schein gegen einen neuen wechseln darf. Natuerlich darf ich, sagen die Mitreisenden. Nein, darf ich nicht, sagt die Geldwechslertante. Der Schein hat den falschen Kopf. Not possible, sorry sorry. Ich lade mir schlechtes Karma auf, indem ich ihr verschiedene Sachen an den Hals wuensche. Also wieder die Thai-Baht. Nochmal 2000 wechseln, denn lustigerweise krieg ich immer nur 29 Dollar raus. Dafuer muss ich mich aber anstellen. Max steht sich mittlerweile am Fenster die Beine in den Bauch. Irgendwann ist auch das geschafft und ich kann zurueck. Und siehe da: der richtige Kopf, wir duerfen ins Land! Und auch der Notnagel ist gerettet, denn Max hat es eigentlich leid getan, ihn hergeben zu muessen. Er harrt jetzt auf anderweitigen Einsatz in einem Land, wo man - zumindest kopfmaessig - hoffentlich toleranter ist.

In Laos angekommen, wird dann ein slowboat-Ticket gekauft. Und siehe da, es kostet knapp 23 Euro pro Person von hier bis Luang Prabang. In Thailand hat es 10 Euro pro Nase mehr gekostet - der Unterschied ist die Fahrt ueber den Mekong zur Laos-Grenze fuer einen Euro pro Person. Also wieder Geld gespart. Brav so. Wir erreichen das Boot so gegen 10 und sind die ersten. Plaetze aussuchen und Gepaeck abgeben. Mit uns erreichen zwei Spanier und ein Luxemburger das Boot, allesamt recht freundlich. Das Boot fasst knapp 80 Leute, ist schmal und besitzt zwei Reihen mit jeweils zwei Stuehlen, die aussehen, als haette man sie aus einem Bus gerissen. Wahrscheinlich hat man das auch. Der Vorteil: es ist weich. Frueher gab es nur Holzbaenke und in Reisefuehrern wird deswegen noch darauf hingewiesen, ja ein Kissen mitzunehmen. Man sieht also, wer sich auf den neusten Stand gebracht hat. Es wird an diesem Tag viele unbenutzte Kissen geben. Es wird Platzgenommen und das Boot fuellt sich langsam. Genauergesagt: zwei Boote - unseres und noch eins daneben. Insgesamt stechen an diesem Tag ca. 150 Leute auf zwei Booten auf nach Luang Prabang. Wie man sieht - nicht sonderlich originell.

Was ist genau das Richtige, was einem in diesem Moment einfallen kann, in dem 80 Leute ihr Gepaeck abgegeben haben, eine Planke draufliegt und sich Leute daruebersetzen? Genau: Sag mal...wo ist eigentlich das Essen? Und die Antwort: ganz oben im Rucksack, damit wirs nicht vergessen...... oh. Vergessen. Grandios. Und auch diesmal kommt der Notnagel nicht zum Einsatz: kulinarisch fragwuerdig. Es werden also letzte im Daypack verbliebenen Kleinigkeiten zusammengekratzt: 7 alte Rambutan, 5 broeslige Kekse und der Brownie. Und viel Wasser. Das geht ja heiter los. Um 12.00 Uhr stechen wir in Fluss und schippern bis 17.00 Uhr den Mekong hinunter. Zum Sundowner genehmigen wir uns zwei kalte Dosen Beerlao (also Lao-Bier, mit das guenstigste bisher) und teilen uns eine kleine Tuete Chips. Die Landschaft ist grandios. Die Mitreisenden zum Grossteil eher fragwuerdig (erinnerungswuerdigste Unterhaltung ueberhoert zwischen zwei Reisenden: " und dann sag ich so zu ihr: also wie, wenn du nicht rauchst und nicht trinkst und auch keine Drogen nimmst...von mir aus...geniess dein Leben. Aber jetzt mal ehrlich, Mann, was isn das fuern Leben?!"). In Pak Beng angekommen - also auf halber Strecke - steht uns die naechste Herausforderung bevor: einen guten - guenstigen! - Schlafplatz finden, bevor es alle anderen tun. Und zwar pronto! Der Ort besteht wieder aus nur einer Strasse und lebt von den taeglich hier anlegenden Touri-Schiffen. Dabei gab es auch eine lustige Episode: in einem Guesthouse (wo wir am Ende auch geblieben sind) besichtigen wir ein Zimmer und beratschlagen, ob wir es nehmen wollen. Ist nicht grossartig, aber guenstig und mit Moskitonetz. Waehrend wir beratschlagen, stupst mich eine kleine Chinesin in die Seite. Ob ich mir denn nicht viel lieber mit ihr als mit dem Typ da ein Zimmer teilen will, das kaeme sie guenstiger. Ich hab die Chinesin noch nie zuvor gesehen. Ich erklaere ihr, dass das mein Freund ist und ich den im Regelfall eigentlich ganz ertraeglich finde. Die sparwuetige Chinesin zieht Leine. Moral von der Geschicht: Am Ende bezahlen Max und ich zusammen 4 Euro fuer das Zimmer, waehrend die Chinesin 5 Euro fuer ein Zimmer allein ausgeben muss. Dreistigkeit gewinnt nicht immer.

Abendessen wir nicht in einem der Touri-Restaurants gefuttert, sondern zwei Haeuser weiter in einem eher fuer locals. Dort gibt es keine Speisekarte. Wir werden mit "Noodle soup?" begruesst. Wir nicken. Zweimal Noodle soup - einmal mit Fleisch und einmal ohne (mir ist das zu gruselig, mal wieder. Die Paranoia-Gene). Fuer insgesamt 2 Euro. Lecker.

Hier ist uebrigens genauso Winter - und mit 18 Grad nachts ganz schoen kalt. Gut, dass ich meine Jacke dabei hab. Brrrr...

Am naechsten Tag gehts weiter - diesmal mit Essen. Gefruehstueckt wird mit dem Luxemburger und einem der zwei Spanier, die zufaellig auch in unsrem Hostel uebernachtet haben. Dann gehts auf zum Boot. Das, auf das wir eigentlich sollten, ist nicht da. Egal, dann eben auf ein anderes. Dort gib es nicht nur weiche Stuehle, wir ergattern auch zwei freie Plaetze an einem Tisch. Auf der andren Seite sitzen uns Jugendliche gegenueber. Auf der folgenden Bootfahrt stellt sich raus, dass die zwei zu einer ca. 15-koepfigen Gruppe australischer Schueler gehoeren, die auf einer 4woechigen "world challenge" durch Thailand und Laos unterwegs sind und neben Urlaub machen auch in einem Dorf Klos ausheben duerfen. Die Fahrt gestaltet sich sehr lustig, auch dank mitgebrachter Karten und Wuerfel. Und Essen. Hurra! Die Landschaft ist immernoch atemberaubend, gruene Huegel, viel Nebel, viel Mekong. Hat sich unheimlich rentiert! Die zweite Fahrt geht von 9 Uhr bis 17 Uhr und dann....sind wir angekommen. In Luang Prabang. Dem Ort, in dem Max nach 10 Minuten verkuendet hat, dass er hier wohnen will. Der Stadt, die (mal wieder) UNESCO-Weltkulturerbe ist. Die schoenste Stadt in Suedostasien. Und wir mittendrin!

permalink written by   on December 9, 2012 from Chiang Khong, Thailand
from the travel blog: MaTi in Südostasien
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Ich will die Passfotos sehen! Hat Max auch einen Sarong um?

permalink written by  Alexandra Meyer on December 12, 2012

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