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Tag 15 - Tour 4. Tag: Uyuni - Potosi

Potosi, Bolivia


Frueh morgens sollten wir schon um 4.30 wach sein, damit wir um 5 Uhr in die Salzwueste aufbrechen koennten. Da leider starker Regen und Nebel an der Tagesordnung war und man somit den Sonnenaufgang gar nicht sehen konnte, sind wir erst um 6 Uhr aufgebrochen. Es war recht kalt an diesem Tag. Gleich nach dem Fruehstueck, bei welchem ich nur eine Mango ass, welche ich mit dem Ekke teilte, brachen fuenf Jeeps in Richtung Salzwueste auf. Es war erst ein sehr trostloser Anblick. Weit und breit nur flaches Land, bewachsen von kurzem Strauchwerk und in weiter Ferne umsaeumt von Bergen, holperten und rutschten wir die schlammige Strasse entlang in Richtung Salar. Wieder war ich erstaunt ueber die vollige Einfachheit des Lebens hier. Die Doerfer, welche wir durchfuhren waren wie Sandburgen. Alles war aus Schlamm und Lehm gebaut. In diesem Regen war alles ein einzige kaltes und schlammiges Loch. Kaum vorstellbar, dass Menschen hier leben. Mittlerweile ging war ich auch nicht mehr ganz fit. Langsam merkte ich wie ich dringend auf die Toilette musste und ich zu frieren begann. Der kleine Konvoy von Jeeps quaelte sich langsam weiter durch den tiefen Schlamm. Wahrscheinlich haette es keinen Unterschied gemacht neben der Strasse zu fahren, da alles im Schlamm versank. Nach etwa einer Stunde wurde der Untergrund weiss und stand unter Wasser. Endlich hatten wir die Salzwueste erreicht. Entgegen meiner grossen Erwartungen, sah alles nur aus wie schmutziger Schnee, bedeckt von einer vaiierenden duennen Schicht Wasser. In einer Reihe bahnten sich die Gelaendewaegen ihren Weg in die Wueste. Auf die Frage, wie sich die Fahrer denn orientierten, wurde uns gesagt, dass man fuer bestimmte Zeiten (nach Armbanduhr), bestimmte Himmelsrichtungen fahren muesse um in etwa die besagten Punkte zu erreichen. Da die Wueste etwa 60 km lang ist und mit dem Wasserspiegel wie ein einziger riesiger See aussah, wurde uns bei dieser waagen Orientierungsmethode etwas mulmig, da regelmaessig Fahrzeuge vermisst werden, da entweder die Fahrer sich verirren, Benzin ausgeht, Pannen passieren oder Fahrzeuge durch die Salzkruste brechen. Da aber alles unter Wasser stand fuhren wir nur ein kleines Stueck in die Wueste hinein bis zu einem Hotel, gebaut aus Bloecken, welche aus der Salzkruste geschnitten waren. Als wir die Fahrzeuge verliessen, war ein mehr oder surreales Erlebnis. Hinter uns konnte man noch den Rand der Wueste sehen. Vor uns lang eine unendliche Ebene aus Wasser. Bei Sonnenschein soll der Anblick wunderschoen sein, da mit dem darunter liegenden Salz die gesamte Wueste, wie ein riesiger horizontaler Spiegel erscheinen soll. Wir hatten leider nur Wolken, jedoch hatte der Regen endlich nachgelassen. Aus der Ferne betrachtet, wirkten die Touristen, wie Wasserwandler. Jeder ging auf dem Wasser. Nun wurden die seltsamsten Bilder geschossen. Da durch die Spiegelwirkung der Horizont mit dem Wasser des Salar zusammenfliesst, konnte man sich in einer Linie aufstellen und es sah dann aus, als wurden die Leute in der Ferne auf denen der Naehe stehen. Fuer die Kamera ging damit das Empfinden fuer die Relativitaet der Entfernung verloren. Leider ging es mir nun gar nicht mehr gut. Ich fror wahnsinnig und fuehlte mich krank. Da diese weite Ebene keinerlei Deckung bot, suchte ich das nahe Hotel auf und musste fuer Bolivien einen Rekordpreis von 5 Bs zahlen. Der Anblick im inneren dieses eingeschossigen Gebaeudes war wie ein Zauberschloss. Die Salzsteine, welche teilweise Licht durchliessen und die seltsame Einrichtung, meist gebaut aus Salz gab allem eine magsiche Atmosphaere. Leider war es drinnen genau so kalt wie draussen. Das Dach hatte Loecher und es tropfte ueberall herein. So schoen der erste Augenblick des Eintretens in diese ruhige Atmosphaere war, so schockierend war das Erkennen dieser heruntergekommen Bruchbude im zweiten Moment. Die Toiletten war furchtbar. Es stank und gespuelt wurde mit einem Eimer, den man an einer Tonne fuellte. Die Mango vom Fruehstueck war wohl nicht erste Wahl gewesen, denn Bauchkraempfe und Durchfall setzten ein. Zusammen mit der Kaelte, dem Gestank und dem Gefuehl des Krankwerdens wuenschte ich mich weit weg. Als ich das Hotel wieder verliess kam mir der Ekke entgegen, den nun dasselbe Schicksaal ereilt hatte. Dieser rannte nun auch auf die Toilette. Nach etwa einer Stunde und weiteren dringenden "Hotelbesuchen" setzte sich der Konvoy wieder in Bewegung in Richtung Hostel. Auf dem Weg hielten wir noch an einem Touristenmarkt. Es war zwar furchtbar, da die Gewissheit der Ferne der naechsten Toilette staendig praesent war, jedoch war ich sehr gluecklich ueber die Muetze welche ich kaufte, da mir immer kaelter wurde. Nach diesem Markt mussten wir 45 Minuten an der Tankstelle warten, da es nur eine Zapfsaeule gab und jeder mal wollte. Zudem war die Pumpgeschwindigkeit gleich der eines Rinnsaals und die Jeeps vor uns fuellten teilweise nicht nur ihre Tanks, sondern auch ihre Reservekanister mit 250 Liter. Durak, was inzwischen in unserer Reisegruppe ein beliebte Spiel geworden war und die paar Lieder unserer Kollegen, weche sich staendig wiederholten und dem Ekke, wie mir langsam auf die Nerven gingen, vertrieben uns die Zeit. Nach einer gefuehlten Ewigkeit erreichten wir endlich das Hostel. Nun war mir endgueltig schlecht, schwindlig und ich fror am ganzen Koerper. Sofort rannte ich auf die Toilette und legte mich danach ins Bett. Vom Mittagessen wollte ich gar nichts sehen. Dem Ekke, der nur die Kloprobleme hatte, genoss das Essen. Nach kurzer Zeit kam leider die Putzfrau und warf mich aus dem Bett, da sie die Zimmer fuer die naechste Gruppe praeparieren musste. So warm es ging zog ich mich an und legte mich auf das Sofa im Foyer. Meine Beine konnte mich kaum mehr tragen. Waehrenddessen hatte der Ekke Paracetamol geschluckt um noch einen klaren Kopf zu bewahren und eine Fahrt von Uyuni nach Potosi, der Minenstadt, zu organisieren. Zwei Englaender hatten ein Taxi organisiert, welches uns fuer 500 Bs nach Potosi bringen sollte. Leider kam dieses nach zwei Stunden warten immer noch nicht. Der Taxifahrer hatte als er die Briten traf seinen Sohn mit im Auto und wollte diesen nur nach Hause bringen. Aufgrund des Regenwetters hat er es sich waernd dem nachhause fahren wohl andersueberlegt. Ich hatte mich derweil vor die Haustuer getragen und lehnte sitzend an der Hauswand. Nun kamen Jeeps, welche vor einer Stunde nach Tupiza aufgebrochen waren wieder zurueck, weil die Bruecke ueberflutet war und Ueberfahrt unmoeglich war. Die beiden Englaender nahmen die Gelegenheit war und fuhren mit einem Jeep, welcher nun ueber Potosi nach Tupiza fuhr, mit. Fuer uns gab es leider keinen Platz mehr. Voellig entnervt ging ich auf die Strasse und hielt Fahrzeuge an, mit der Frage ob es moeglich sei, nach Potosi mitgenommen zu werden. Zwei Franzosen hatten ebenfalls noch keine Moeglichkeit und warteten mit uns. Als ich ein Taxi gefunden hatte und der Preis nach Aushandlung mit 450 Bs in Ordnung war, wollten die Franzosen nicht mit. Der Ekke und waren ueberaus aergerlich ueber diese dumme Entscheidung. Nun sassen wir immer noch in diesem Loch von Uyuni fest. Zum Glueck kam ein weiterer Tourenjeep vorbei und erbarmte sich fuer 100 Bs von jedem von uns nach Potosi zu fahren. Ein letztes Mal gingen wir in unserer Toilettendauerbesuche auf das Oertchen und lueden alles auf den Jeep. Einigermassen gluecklich endlich aus diesem Hoellenloch von Uyuni, welches eine solch schlamige und heruntergekomme Stadt war, herauszukommen, verliessen wir die Stadt. Nach 20 Minuten fiel dem Ekke auf, dass er seine Jacke vergessen hatte. Der eine Franzose wurde nun sehr aergerlich, da auch sein Tag sehr bescheiden gewesen war. Mit 50 Bs extra ueberzeugten wir den Fahrer noch einmal umzukehren. Als wir die Jacke geholt hatten, hielten wir an einem weiteren Hostel. Die Jacke war nicht der einzige Grund gewesen. Ein weiterer Fahrgast kam noch hinzu, eine der Koechinnen der Tour. Ohne sie waeren wir wohl nicht umgekehrt. Auf der Fahrt ging es mir zwar gesundheitlich miserabel, jedoch wurden wir durch die wunderschoene Landschaft belohnt. Auch war es schoen wieder einmal franzoesisch zu sprechen. Diese war eine der guten Strassen Boliviens. Nach drei Stunden Fahrt erreichten wir endlich die Minenstadt Potosi und wurden am Ex-Terminal herausgelassen (Bus-Terminal).
Der Ekke und ich schleppten uns zu einem nahen Hostel und waren aufgrund der Situation nicht sehr waehlerisch. Wir hatten jedoch ein akzeptables Zimmer mit Fernsehen. Die Baeder waren auch einigermassen sauber. Wir legten unsere paar Habseligkeiten ab und schleppten uns noch in die Stadt. Ich bildete mir ein, unbedingt Zitronen aufgrund meines Gesundheitszustandes essen zu muessen. Die Strassen waren im Vergleich zu diesem schlammigen Hoellenloch Uyuni wieder asphaltiert oder gepflastert. Auch regnete es nicht mehr. Ginge es uns nicht so bescheiden, waere es sehr schoen gewesen. Auch hier roch es ueberall nach gebratenem Huenchen. Kleine Staende, wie Restaurants boten alle Pollo mit Reis und Pommes an. Ganz Bolivien scheint nur Huenchen zu essen. Das gibt es in solchen Mengen mit Reis und Kartoffeln und kosten tut es ebenfalls so gut wie nichts, jedoch habe ich grosse Bedenken bei der Hygiene. Das allermeiste trieft vor Fett, dass so aussieht, als waere es seit einer Woche in Nutzung. Der Ekke, gab sich den verlockenden Dueften gegrillten Huenchens hin und zahlte gleich mal das doppelte des normalen Preises, jedoch immer noch sehr billig fuer uns Deutsche. In einem sehr unuebersichtlichen Markt zwei Blocks weiter fanden wir neben allem Ramsch, Obst,... endlich Limetten. Bei all dieser Vielfalt von Elektronikzubehoer, ueber Kleidung, Autozubehoer und Nahrung konnten wir kaum glauben, dass es keine Zitronen gab. Limetten taten es aber auch. Fuer zwei Bs, umgerechnet 22ct kauften wir noch zwei Rollen Klopapier. Das darf in diesem Land niemals vergessen werden. Im Notfall ist man es bereit es mit Gold aufzuwiegen. Nirgends gibt es Klopapier auf den Toiletten. Eine Rolle in der Hosentasche ist zu jeder Zeit Pflicht. Man weiss hier nie ob man in die Natur gehen muss oder es Toiletten gibt. Manche kann man aus unzumutbaren Geruechen, welche bei jedem durchschnittlichen Menschen sofort Brechreiz hervorrufen wuerden, nicht aufsuchen, andere sind bereits voll oder es gibt einfach keine. Zum Glueck gibt es in den groesseren Orten, oeffentliche Einrichtungen, bei welchen man einen Bs fuer die Befreiung bezahlt. Zurueck im Hostel versuchte ich noch heiss zu duschen, da ich unendlich fror, leider kam aus dieser furchtbaren Konstruktion nur kaltes Wasser getroepfelt. Da unser Zimmer ebenfalls dem inneren eines Kuehlschranks glich, zogen wir uns das waermste an und deckten uns mit den dicken Lama- und anderen Decken zu um wieder warm zu werden. Der Ekke war voellig begeistert von unserem Fernseher. Seit Anfang der Reise verstand er wieder etwas. Amerikanische Serien wie Two and a half Men, Big Bang Theory oder Friends kamen hier in englischer Sprache mit spanischen Untertiteln. Nach kurzem wurde jedoch das Licht geloescht und der Tag endete mit Ekkes Gesaege.


permalink written by  Fount on January 15, 2013 from Potosi, Bolivia
from the travel blog: Von Buenos Aires bis nach Lima
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Ich musste sehr viel Lachen, du kannst wirklich anschaulich erzhälen...

permalink written by  P.Mc on January 24, 2013

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